Am 20. April 2026 hat das Bundeskriminalamt die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2025 vorgelegt. Für den Bereich Wohnungseinbruchdiebstahl weist sie 82.920 erfasste Fälle aus. Das sind 4.484 Fälle mehr als im Vorjahr, ein Anstieg um 5,7 Prozent.
Der Anstieg ist real, aber er erzählt nur die halbe Geschichte. Die interessantere Zahl steht weiter unten in derselben Statistik — und sie ist eine gute Nachricht.
Die Zahlen im Überblick
| Kennzahl | 2025 | Vorjahr |
|---|---|---|
| Wohnungseinbruchdiebstahl (inkl. Versuche) | 82.920 | 78.436 |
| Veränderung | +5,7 % | — |
| Aufklärungsquote | 14,1 % | leicht höher |
| Gesamtschaden (GDV) | rund 380 Mio. € | niedriger |
| Durchschnittsschaden je vollendetem Einbruch | 3.850 € | niedriger |
Zwei Einordnungen sind wichtig, damit die Zahlen nicht größer wirken, als sie sind.
Erstens: Das Niveau liegt weiterhin unter dem vor der Pandemie. 2019 verzeichnete die Statistik 87.145 Fälle einschließlich Versuchen. Trotz des Anstiegs in den vergangenen beiden Jahren ist der langfristige Trend nicht zurück auf dem alten Stand.
Zweitens: Ein erheblicher Teil taucht in der Statistik gar nicht auf. Die Dunkelfeldstudie „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland“ (SKiD 2024) des Kriminalistischen Instituts im BKA kommt zu dem Ergebnis, dass nur rund 57 Prozent aller Wohnungseinbruchdiebstähle überhaupt angezeigt werden. Bei vollendeten Taten liegt die Anzeigequote bei etwa 87 Prozent — eine Anzeige ist Voraussetzung für die Versicherungsregulierung. Bei Versuchen sind es nur rund 48 Prozent. Viele Menschen melden einen gescheiterten Einbruch schlicht nicht.
Die eigentlich wichtige Zahl
44,9 Prozent der erfassten Wohnungseinbrüche scheiterten 2025 im Versuchsstadium — 37.249 von 82.920 Fällen. Die Täter sind nicht in die Wohnung oder das Haus gelangt.
Das BKA führt diese Quote maßgeblich auf Sicherheitstechnik zurück: einbruchhemmende Fenster und Türen, Alarmanlagen, Bewegungsmelder. Diese Elemente verhindern den Einbruch nicht dadurch, dass sie unüberwindbar wären. Sie wirken über eine andere Größe.
Zeit.
Polizeiliche Beratungsstellen gehen davon aus, dass bereits nach drei bis fünf Minuten Widerstandszeit ein erheblicher Anteil der Täter abbricht. Nicht weil die Tür standhält, sondern weil das Risiko mit jeder Minute steigt: Nachbarn werden aufmerksam, jemand kommt vorbei, ein Auto biegt in die Straße.
Einbruchschutz ist deshalb keine Frage von unüberwindbaren Barrieren. Er ist eine Frage davon, ob der Aufwand für den Täter in einem vertretbaren Verhältnis zum erwarteten Ertrag steht — und drei bis fünf Minuten sind für die meisten Gelegenheitstäter bereits zu viel.
Was das für Gewerbeobjekte bedeutet
Die PKS erfasst unter „Wohnungseinbruchdiebstahl“ ausdrücklich Wohnräume. Für gewerbliche Objekte gelten eigene Deliktschlüssel, aber das Grundprinzip überträgt sich.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern in der Erkennungszeit. In einem bewohnten Haus fällt ein Einbruch oft innerhalb von Minuten auf. In einem leerstehenden Bürogebäude, einem Lager oder einem Objekt außerhalb der Geschäftszeiten kann er stunden- oder tagelang unbemerkt bleiben. Damit verliert die Widerstandszeit ihre abschreckende Wirkung — niemand ist da, der auf sie reagiert.
Deshalb verschiebt sich bei Gewerbeobjekten die Gewichtung: Von reiner Sicherungstechnik hin zu Detektion und Reaktion. Die Frage ist weniger, wie lange eine Tür standhält, sondern wie schnell jemand merkt, dass sie es nicht mehr tut — und wer dann was tut.
Der Nebenschauplatz mit den größeren Zahlen
Eine Deliktgruppe geht in der Berichterstattung regelmäßig unter, obwohl sie zahlenmäßig größer ist als der klassische Wohnungseinbruch: Diebstähle aus Keller-, Dachboden- und Waschküchenräumen. Die PKS 2025 verzeichnet hier 92.870 Fälle.
Die gute Nachricht: Das ist ein Rückgang um 13,9 Prozent gegenüber 2024 (107.861 Fälle). Die schlechte: Es sind immer noch rund 10.000 Fälle mehr als beim Wohnungseinbruch. Beliebte Beute sind hochwertige E-Bikes.
Für Eigentümer und Verwalter von Mehrfamilienhäusern ist das relevant, weil Kellerabteile und Fahrradräume in Sicherheitskonzepten oft nachrangig behandelt werden — bei einer Deliktzahl, die den Wohnungseinbruch übersteigt.
Was in keiner Statistik steht
Die PKS erfasst Fälle, die GDV-Statistik erfasst Euro. Was beide nicht erfassen, ist der Grund, aus dem die meisten Menschen nach einem Einbruch nachrüsten.
Beratungsstellen berichten übereinstimmend, dass es selten der materielle Schaden ist. Es ist das Gefühl, dass jemand in den eigenen Räumen war. Schlafstörungen, Unruhe, das Bedürfnis, das Schloss zu wechseln, obwohl es funktioniert. Laut der SKiD-Studie gibt mehr als jede vierte Person (28,6 Prozent) an, sich vor einem Wohnungseinbruch zu fürchten — deutlich mehr Menschen, als tatsächlich betroffen sind.
Diese Diskrepanz zwischen tatsächlichem Risiko und empfundener Bedrohung ist kein Denkfehler der Betroffenen. Sie ist eine realistische Reaktion auf ein Delikt, dessen Schaden nicht in der Beute liegt.
Einordnung
Drei Punkte, die aus den Zahlen 2025 folgen:
- Der Anstieg ist da, aber moderat. 5,7 Prozent mehr Fälle, weiterhin unter dem Niveau von 2019. Kein Grund zur Dramatisierung.
- Die Aufklärungsquote von 14,1 Prozent bedeutet, dass Prävention den Ausschlag gibt. Auf strafrechtliche Aufarbeitung lässt sich ein Sicherheitskonzept nicht stützen. Fünf von sechs Fällen bleiben unaufgeklärt.
- Widerstandszeit wirkt messbar. 44,9 Prozent der erfassten Wohnungseinbrüche scheiterten 2025 im Versuchsstadium, und das BKA führt das auf Technik zurück. Drei bis fünf Minuten sind der relevante Korridor.
Dieser Beitrag gibt den Stand der öffentlich zugänglichen Statistik wieder und stellt keine Beratung im Einzelfall dar.